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Zwischen Township und Oberschicht – Zwischen Zweifel und Klarheit

09/02/2018
Kathrin Weltblick 2.0 Kapstadt Zweifel Klarheit Township Oberschicht Natur

Du willst die Welt verändern, etwas bewegen und trotzdem zweifelst du. Immer wieder. Ständig. So geht es nicht nur dir, so geht es mir auch. Und James. James lebt in Afrika und hat sein Leben auf den Kopf gestellt. Für sich und für andere.

Bevor ich mit James sprach, sah es in mir anders aus.

Alles grau und kein Vertrauen

Weg, verschwommen, verworren, unsicher, grün, Sinn, Farbe, Richtung, wohin
Wenn der Weg nicht klar zu erkennen ist.

Alles um mich herum ist grau. Unter meinen Wanderschuhen knackt und knistern kleine Schottersteine. Weit in der Ferne erkenne ich Abzweigungen. Ich bin unsicher, wohin dieser Weg führt, ob er überhaupt irgendwo hinführt. Macht das alles Sinn? In dem Moment, wo ich mich bewusst entscheide dem Leben zu vertrauen, verschwindet das Grau und vor mir explodiert eine Welt voller Farben.

Dem Leben zu vertrauen, bedeutet für mich die eigenen Grenzen nicht zu akzeptieren. Offen zu sein für alles, was neu ist. Während ich reise werden diese Grenzen und steifen Strukturen in meinem Kopf jeden Tag verbogen, überschritten und zerbrochen. Ich sehe Menschen, die glücklich sind mit dem, was andere womöglich als wenig bezeichnen würden. Ich lerne wie das Leben außerhalb meiner Vorstellungen funktioniert. Jeden Tag lerne ich mich selbst neu kennen.

Wenn das Leben dir Menschen mit einer Botschaft schickt hör zu

Lichtstrahl Sonne Baobab Baum blauer Himmel umdenken
Das Licht ist einer da. Lasst und hinsehen.

Manchmal sind es einzelne Gespräche, die etwas in mir auslösen. Zum Beispiel das Gespräch mit James. Wir kannten uns gerade zehn Minuten und fanden uns fern ab von Small Talk nach kurzer Zeit in einem emotionalen Austausch wieder. Sinn, Verantwortung, Verzweiflung, Dankbarkeit – auf und ab, hin und her. Die Geschichte eines Mannes, der sich trotz vieler Kämpfe, am Ende wieder und wieder für das Positive entscheidet.

Dafür, dass zu tun, was er kann und was er wirklich will. Selbst, wenn er sich auf all die Möglichkeiten fokussiert und liebt was er tut, kämpft er immer mit innerem Gegenwind. Mit dem Teil von ihm, der alles in Frage stellt. Kann ich die Folgen meines Handelns überhaupt komplett absehen? Bewege ich etwas in der Welt? Macht das alles Sinn was ich hier tue?

Wenn wir 80 Millionen Menschen aus der Armut holen, und das müssen wir, dann haben wir 80 Millionen mehr Konsumenten. Im Moment bedeutet mehr Wohlstand auch mehr Fleischkonsum. Es bedeutet einen erhöhten Verbrauch von Ressourcen, die nicht da sind. Sie reichen heute schon kaum.

 

Es reicht nicht eine Seite zu betrachten

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Das größte Township in Kapstadt – Khayelitsha. Mit Blick auf den Tafelberg.

Besonders dieser Aspekt mit der Armut hat mich nicht losgelassen. Er hat Recht. Wenn wir an der einen Stellschraube drehen, setzen wir viel mehr in Bewegung, als wir es im ersten Moment vielleicht glauben.

Gesellschaft – Politik – Wirtschaft – Hier muss sich etwas ändern. Für mich sind diese großen Bereiche manchmal zu weit weg, zu abstrakt. Ein großes, unbekanntes Etwas. Dabei sitzen auch dort Menschen, Menschen wie du und ich, die sich auf uns verlassen. Jeden Einzelnen, die zusammen eine Basis bilden für alle Entscheidungen, die oben getroffen werden.

Was kann ich also tun?

Jeden Tag das Glück wählen. Jeden Tag bewusst beide Seiten sehen. Die Zweifel, die Hilflosigkeit und die Ohnmacht. Genauso die Macht, die in meiner eigenen Handlung liegt. Die Hoffnung und das Glück, dass in jedem Moment steckt. Vor allem aber kann ich mich für die positive Seite entscheiden. Die Positive Seite von allem. Für das Potential, für die Chancen, für die Möglichkeiten. Ich kann mich entscheiden das zu sehen, wofür ich jetzt schon dankbar bin.

Ich kann mich entscheiden zu handeln.

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Das Glück in jedem Moment sehen – auch wenn mir Wind und Regen auf einer Aussichtsplattform entgegen schlagen

Zwiespalt – Wenn die Hoffnung stärker ist

Das ist der tägliche Kampf, den auch James in seinem Innern führt. Zwiespalt und Hilflosigkeit zu spüren und trotzdem den Fokus darauf zu legen, was er in den Menschen bewegt – das ist sein mentaler Schlagabtausch.

Wie er es schafft die hoffnungsvolle positive Seite jeden Tag zum Sieg zu führen? Mit seiner Organisation Uthando. Er verbindet lokale Entwicklungsarbeit mit Tourismus. Dafür bringt er täglich kleine Gruppen Touristen zu den Townships von Kapstadt und zeigt Ihnen Südafrika in all seinen Facetten. Was zurückbleibt sind Menschen, die mit einer neuen Weltansicht und emotional bewegt in ihr Land zurückkehren. Wie ist das alles entstanden?

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Auch ich bin mit einem riesen Lachen von der Tour zurück gekehrt

Entwicklungsarbeit und Tourismus verbinden und dabei zurückgeben

2006 besuchte James eine Tanzveranstaltung mit benachteiligten Kindern aus einem Township. Zu dem Zeitpunkt arbeitete er mit internationalen Touranbietern zusammen, mit denen er Touristen aus alles Welt nach Südafrika holte.

Was wäre, wenn ich das hier Menschen zeigen könnte. Das ist der Hammer!

 

Diese ganzen Projekte, diese Menschen, die etwas in den Gemeinschaften verändern, sie sind schon da. Nur kaum jemand kannte sie. Touristen sowieso nicht. Genauso ist es mit all den Menschen auf der Welt, die für eine bessere Zukunft aufstehen, rausgehen und handeln. Oft sind sie leiser, als die Schwarzmaler, Skeptiker und Weltuntergangspropheten.

Noch.

Denn ich möchte ihnen – euch – eine Stimme geben. Hier mit Weltblick 2.0.

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Xolani ist auch ein Teil von Uthando. Er hat sichtlich Spaß auf der Tour mit einer lokalen Tanztruppe.

Heute hat James mit Uthando einen Weg gefunden, Menschen aus aller Welt Südafrika in all seinen Farben zu zeigen. Projekte aus verschiedenen Bereichen, zu denen Besucher kommen und die Menschen dahinter wirklich kennen lernen. Touristen und Touranbieter bekommen die Möglichkeit etwas zurückzugeben. Mit dieser Fair-Trade-Organisation, bei der jeder gespendete Cent direkt bei den Projekten landet. Diese Unterstützung ist für die Arbeit in den Townships unendlich wertvoll.

Bewusst wahrnehmen und danach handeln

Die Geschichte von James hat mir wieder ins Bewusstsein gerufen, was der Schlüssel für uns persönlich und die Veränderung in der Welt ist: Bewusstsein – bewusst wahrnehmen und hinterfragen. Neugierig sein und sich nicht zufrieden geben. Augen aufmachen und Augen öffnen. Wissen und Erfahren bis die Ahnung oder die Idee zum Bewusstsein wird.

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James mit einem Mitglied von NOAH – einer Gemeinschaft die ein Zuhause für Ältere bereitstellt

Schon im jungen Alter hat James seine Umwelt und Wertvorstellung hinterfragt, den Status Quo nicht akzeptiert. Er konnte nicht verstehen, wie er so wohlhabend aufwachsen konnte, wenn es gleichzeitig so viele Menschen gab, die nichts hatten. Dieser Kampf war schmerzhaft und er konnte erst Frieden für sich finden, als er sich immer mehr von dieser Gesellschaft löste. Als er den Konsumgedanken losließ und das Glück in sich suchte.

Und hier sitze ich nun – mitten in Afrika und versuche mit meiner Geschichte Menschen zu bewegen. Reise dafür um die Welt und puste bei jedem Flug CO² in die Luft… ist das alles Quatsch was ich hier mache? Reichen am Ende diese paar Menschen aus, um abzuwenden was so riesig, kompliziert und unaufhaltsam mächtig scheint?

Es ist nicht so als hätten wir unendlich viel Zeit und als wären all die Probleme, über die ich spreche unendlich weit weg. Es passiert jetzt. Jetzt. Auf der ganzen Welt.

Buschfeuer in Cape Vidal Südafrika neue Normalität
Ein Buschfeuer im Cape Vidal Nationalpark in Südafrika. Die neue Normalität?

In Deutschland ist es diesen Sommer durchgängig so heiß, wie seit 2003 nicht mehr, Stürme in den USA, Überschwemmungen in Indien. Und doch wissen die wenigsten, was ganz genau dahintersteckt und wie dringend und notwendig es ist endlich etwas zu verändern.

Kann ich vielleicht doch helfen? Zählt das, was ich mache?

Zusammen drehen wir die Blätter der Windmühlen in die richtige Richtung

Egal wie verworren alles ist und egal wie schwierig es scheint, es wäre viel zu einfach aufzugeben. Es wäre einfach, dem Teil von uns die Macht zu geben, der sagt, dass alles Quatsch ist. Dem Teil nachzugeben, der sich erschlagen und verraten fühlt. Wir alle haben diesen Teil in uns, und das ist okay.

Wenn wir den Blick darauf lenken, was schon alles da ist, was bereits alles passiert, darauf, welche Macht die eigene Stimme und der Verstand hat. Wofür ich schon jetzt dankbar sein kann und wieviel Reichtum ich in mir trage. Dann kann ich nicht anders, als in jedem Moment bewusst zu spüren, dass ich die Welt verändern kann.

Stell dir vor, wir alle würden das tun. Verdammt… Yes! Es ist kein Kampf gegen Windmühlen. Wir packen die Blätter der Windmühle und drehen sie endlich in die richtige Richtung.

Wir. Unsere Generation.

Du.

Du und ich.

Gemeinsam mit all den anderen, die heute schon Windmühlen in die richtige Richtung drehen.

Kathrin Weltblick 2.0 zusammen portrait bewegen stark
Zusammen etwas bewegen

 


Quellen
Uthando

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