Bewusst Reisen

Skifahren – mit oder gegen den Berg

03/29/2018
Skifahren mit Blick auf die Berge. Die Sonne scheint über den Wolken. Kaiserwetter, Glück,

Schnee, Kälte, Wind – Es ist ungemütlich hier draußen. Ich steige in eine Gondel, die mich an einem Stahlseil den Berg hinaufträgt. Ich steige auf zwei längliche Bretter und steuere mit kleinen Bewegungen meinen Weg mitten durch schneebedeckte Waldschneisen ins Tal.

Wie hat es hier wohl früher ausgesehen? Ohne die Lifte, ohne breite Ski-Pisten? Und hinterlasse ich eigentlich nur Abdrücke im Schnee oder bohrt sich mein Verhalten langfristig in den Berg?

Fragen, die ich mir vorher nie gestellt habe. Es ging für mich um das Erlebnis, den Spaß, die Leidenschaft, die ich ungebremst ausüben konnte. Daran hat sich nichts geändert, aber mein Blickfeld hat sich erweitert. Auf die Berge, die ich bewundere und denen ich mich verbunden fühle. Ich möchte auch noch in 20 Jahren meiner Leidenschaft nachgehen und es liegt in meiner Verantwortung meine Entscheidungen bewusst zu treffen, damit genau das möglich ist.

Kathrin von Weltblick 2.0 mit den Optionen im Blick für nachhaltiges Ski fahren
Was für eine Aussicht – Über den Wolken am Hintertuxer Gletscher

Die Optionen im Blick

Jede Entscheidung, die ich treffe, ist ein Schritt hin zu der Welt, die ich morgen sehen möchte. Skigebiete, bedeckt mit ausreichend natürlichem Schnee. Lifte, die mit regenerativen Energien fahren. Ein Ort, an dem die Natur geschätzt wird.

Welche Optionen habe ich, um das zu unterstützen?

Umweltbewusste Ski-Gebiete

Bis vor einer Woche wusste ich nicht, dass es umweltbewusste Ski-Gebiete gibt. Unter den Alpine Pearls haben sich 25 Ski-Gebiete zusammengeschlossen, um sich für umweltverträgliches Skifahren einzusetzen. Die Lifte werden mit Ökostrom betrieben, die Urlaubsorte integrieren nachhaltige Angebote und fördern den Zugverkehr.

❄   Alpine Pearls

❄   Skiresort – Bewertungen von Skigebieten auch unter dem Umwelt-Aspekt

Egal für welches Ski-Gebiet wir uns entscheiden. Wir können uns vorher fragen, wie groß das Skigebiet sein muss. Brauche ich wirklich 200 Pistenkilometer oder mehr? Hat es auch Sommeroptionen, um die Natur ganzjährig zu fördern. Sind in dem Skigebiet Erweiterungen geplant?

Die Zahl an Ski Fahrern steigt nicht mehr, Erweiterungen sind nicht nötig.

 

Bei Erweiterungen gilt es abzuwägen, ob ein Zusammenschluss beispielsweise proportional mehr Autos von den Straßen holt, oder nur Lebensraum zerstört. Meistens sind es kleinere und Familienfreundliche Gebiete, die gut integriert sind.

Wasser wird zu Kristallen

Skier liegen flach auf der Piste mit dem Blick auf das Panorama vom Hintertuxer Gletscher
Neuschnee bei strahlendem Sonnenschein – los geht’s

Für jeden Ski Fahrer gibt es ein wichtiges Thema: Schnee. Das weiße Wunder sollte ausreichend vorhanden sein und schön fluffig. Es macht nicht nur weniger Spaß auf Kunstschnee zu fahren, es hat auch mehr Folgen für die Umwelt. Weil Kunstschnee dichter ist, erreicht die schneebegrabene Vegetation weniger Sauerstoff. Außerdem wird Kunstschnee meist in der Nacht aus den Kanonen geschossen. Das stört die Ruhephasen der Tiere.

Der wichtigste Faktor ist jedoch der Wasserverbrauch. In den Alpen wird jährlich eine Fläche von 70.000 Fußballfeldern beschneit. Wieviel das ist? Der Wasserverbrauch dafür liegt bei der Hälfte des Jahresverbrauchs für die gesamte Stadt Wien. Es müssen extra Speicherseen angelegt werden, um diesen Bedarf zu decken…

Einmal auf der Piste, ist die Umwelt egal?

Mein Fuß im Tiefschnee. Worauf sollte ich auf der Piste achten?

Abseits der Piste, liebe ich die kleinen Wege durch den Wald. Durch den Tiefschnee. Es ist eine Herausforderung. Was ich bisher nicht bedacht habe, sind die Tiere und die Vegetation in diesen Waldstücken. Sie erholen sich nur schwer von meiner Fahrt. Denn sobald die Schneedecke zu dünn ist, erholt sich der Boden nicht mehr. Das ein Skigebiet immer auch ein Lebensraum für Tiere ist, daran denken viele gar nicht.

Lasst uns daher die Skifahrerehre erweitern: Talabfahrt am Ende und dann auch nur einmal.

 

Unterkunft neu gedacht

Wenn es um die Unterkunft geht, war mir bisher nur die Lage, der Preis und das Essen wichtig. Vielen Hotels und Pensionen sieht man nicht an, ob sie nachhaltig denken und handeln. Dabei reicht es einfach aus nachzufragen und wer nicht persönlich nachfragen möchte, kann spezielle Suchportale nutzen:

  1.  Biohotels
  2.  Wir sind Anderswo
  3.  Viabono

 

Um gelistet zu werden sind entsprechende Zertifikate, wie zum Beispiel die Blaue Schwalbe und das österreichische Umweltzeichen nötig. Oder es werden Kontrollen durchgeführt von nationalen Kontrollstellen wie Abcert. Darüber hinaus werden die Herkunft und die Bio-Qualität der Lebensmittel sowie die Energieversorgung und die Naturkosmetik mit biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln berücksichtigt.

Das Hotel Alpenjuwel Jäger in Vorderlanersbach mit dem Panorama der Berge im Hintergrund
Das Hotel Alpenjuwel Jäger in Vorderlanersbach

Das Ziel meines letzten Ski-Urlaubes war das Hotel Alpenjuwel Jäger in Lanersbach. Meine Eltern haben mich, meine Schwester und meinen Freund eingeladen.  In ein Hotel, dass ich mir im Normalfall nicht leisten könnte. Die Zeit zusammen war das schönste Geschenk, dass sie mir hätten machen können.

Da mich die Themen interessieren, habe ich mich mit der lieben Geschäftsführerin Alexandra unterhalten. Sie hat mir erzählt, dass das Hotel mit nachwachsenden Biomasse Pellets heizt und sie die Lebensmittel von regionalen Unternehmen aus dem Nachbarort bezieht. „Weißt du, hier ist es ganz normal die lokalen Schreiner und die Sennerei aus dem Nachbarort zu unterstützen. Ich kenne die Qualität und unterstütze die Region“.

Genau das liebe ich an Österreich. Manchmal denken sie weiter als wir.

Die Anreise – der Klima-Killer

Die Autos schlängeln sich durch Vorderlanersbach.
Die Autos schlängeln sich durch Vorderlanersbach.

Die An-und Abreisetage: Am Wochenende rollen lange Autolawinen durch die Orte und kämpfen sich über Bergpässe. Die Staus sind nicht nur nervig für die Urlauber und Einheimischen, sondern auch ein großer negativer Faktor für die Umweltbilanz.

Nur 13 bis 25 Prozent der schädlichen Treibhausgase eines Skiurlaubes fallen auf die Gondeln und Lifte. Die Anreise hingegen macht 70 Prozent aus.

Ist mein Auto voll ausgelastet mit dem ich reise? Kann ich lieber eine Woche Ski fahren als zwei mal drei Tage? Gibt es eine gute Zug Anbindung zu dem Ski Gebiet? Wer sich jetzt fragt wie ihr die ganzen Ski Sachen bei einer Zug-Reise transportieren sollt – Das geht so:

45 bis 50 Millionen Touristen reisen jedes Jahr in die Berge. Gerade einmal fünf Prozent davon kommen mit der Bahn. Dabei gibt es komfortable Nachtzüge, die beispielsweise, direkt von mehreren deutschen Städten nach Innsbruck fahren. Das Beste daran: ihr könnt euch zwischen einem Party-Abteil zum Après Ski Vorfeiern oder einem Schlafabteil entscheiden 😀 Die Skiausrüstung lagert während der Fahrt in speziellen Skiabteilen.

Die deutsche Bahn fährt beispielsweise auch in die Alpen. Mit einem entsprechenden Sparpreis oder Familien Tarif, kann bei der Zug-Reise vielleicht sogar Geld gespart werden. Für das Gepäck hat die Deutsche Bahn einen Extra-Service, bei dem beispielsweise zwei Paar Skier für 27,50 EUR je Richtung abgeholt und zum Zielort gebracht werden.

Bewusst reisen mit neuen Kriterien

Skifahren kann, so wie es jetzt gelebt wird, nicht als nachhaltig bezeichnet werden. Aber wir können es nachhaltig gestalten. Mit unserem eigenen Handeln. Mit den Kriterien, die ich euch hier an die Hand gebe, könnt ihr euch für den Alpensport von morgen einsetzen. Denn wenn die Temperaturen weiter so steigen wie bisher, halbiert sich in ungefähr zehn Jahren die Zahl der Ski-Gemeinden, die verlässlich mit Schnee rechnen können. Und ohne Schnee gibt es keinen Skisport. Wenn das Wasser knapp wird, ist Kunstschnee auch keine Lösung.

Ich möchte noch in 20 Jahren Ski fahren können und ich möchte, dass auch meine Kinder und ihre Kinder fahren können. Ich möchte die Berge nicht nur bewundern, ich möchte mich als ein Teil von ihnen fühlen und sie auch so behandeln. Jeder von uns kann mit seinem Handeln das Richtige unterstützen.

Jeder von uns kann dazu beitragen, für die Dinge, die wir lieben eine nachhaltige Lösung zu finden und zu leben.

 

Kathrin von Weltblick 2.0 möchte sich als ein Teil der Berge fühlen und genau so handeln.

 

 

      Das Wichtigste in Kürze

  1.  Wahl des Skigebiets
  2.  Verhalten auf der Piste
  3.  Unterkunft
  4.  Anreise
  5.  Nachhaltig produzierte Ausrüstung oder leihen
  6.  Keinen Müll hinterlassen

 

 


Quellen
Alpine Pearls
Skiresort Vergleichsportal
Biohotels
Wir sind Anderswo
Viabono
Green Pearls zu nachhaltigem Reisen
Kurier AT zu Kunstschneehttp
WWF Wintersport mit Folgen
Skiinfo zu nachhaltigem Skiurlaub
Label-online zur Blauen Schwalbe
Österreichische Umweltzeichen
Biohotels mit Infos zu Kriterien und Kontrollen
Deutsche Bahn

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