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Schutz, Schock & Staunen – Afrikas Tierwelt

07/31/2018
Löwe streift durch das Gras des Krüger Nationalpark, Sonnenuntergang, Umweltschutz, Neudenken, Moment genießen

Eine endlos goldene Steppe, Löwen streifen durch das hohe Gras, in der Ferne sind Elefanten zu hören. Langsam färbt sich die traumhafte Kulisse in das feuerrote Licht der Abendsonne. Das verbinde ich mit Afrika. Traumhafte Natur gepaart mit faszinierender Tierwelt.

Mittlerweile ist Afrika für mich auch ein Kontinent der Gegensätze. Noch nie habe ich eine solche Schönheit und Vielfalt erlebt. Gleichzeitig war ich noch nie so verunsichert und verwirrt von den Projekten und Hilfsorganisationen vor Ort.

Wie kann ich die wahren Absichten erkennen? Kann ich erkennen, ob Menschen nur die Tiere und das Land ausbeuten möchten? Land, Wasser und die Tiere selbst für sich behaupten ohne an die Auswirkungen zu denken?

Mensch gegen Tier, Büffel, Platz, teilen, füreinander, Natur, Krüger Nationalpark
Mensch gegen Tier. Oder können wir doch zusammen arbeiten?

Wir können die Folgen unseres Handelns weltweit auf verschiedenen Eben spüren. Zwischen 1970 und 2010 haben wir auf unserem Planeten 58% unserer Artenvielfalt verloren (loving planet report). Der Mensch hat die Veränderungen auf der Erde so stark beeinflusst, dass wir mittlerweile auf ein neues Zeitalter zusteuern: Anthropozän. Ein Zeitalter, in dem es nicht sicher ist, ob die Menschheit unter den veränderten Bedingungen auf der Erde überleben kann (Steffen et al. 2015). Die Veränderungen betreffen uns – und zwar direkt.

Alles hängt zusammen und kommt zu uns zurück

Ein Beispiel: Geparden sind für Geschwindigkeit geschaffen. Zum Jagen brauchen sie weite Flächen. Platz um zu rennen. Aber dort wo Platz ist, wird vom Mensch gebaut. In Ihrem eingeschränkten Lebensräumen können Geparden nicht nur schlechter jagen. Sie paaren sind untereinander, innerhalb kleiner Familien, weil die Übergänge zu anderen Territorien verbaut sind. Die Folge des Inzest: genetische Gleichheit, die die jungen Geparden anfällig für Krankheiten machen. 80% der Jungen sterben in den ersten Monaten und mittlerweile gibt es weltweit nur noch 7.100 Geparden (Statista).

Eine Herde Elefanten, ganz nah im Krüger Park, atemberaubend, Familie, Natur, bewusst erleben
Sanfte Giganten. Elefanten sind essenzieller Bestandteil des Ökosystems in der Savanne.

Von Touristen werden Tiere häufig nur als Attraktion wahrgenommen. Majestätische Exoten in einem beeindruckenden fremden Land. Dabei wird oft vergessen, dass jedes Lebewesen ein Puzzleteil in dem kompliziertesten 4D-Puzzel der Welt ist: Dem Ökosystem Erde. Ohne einander können wir nicht sein.

So, wie die Elefanten mit ihrer gewaltigen Kraft. Ihre Fußstapfen formen das Bild der Savanne und schaffen Platz und Wege für andere Tiere. Jeder Schritt dieser sanften Giganten ist gefüllt mit Leben. Wo ein Elefant Fußspuren hinterlässt sammelt sich Wasser und es entstehen hunderte Mikroorganismen (forthegiants). Und dann gibt es Wilderer, die Elefanten nur als Quelle für ihr Elfenbein sehen? Mittlerweile gibt es nur noch 415.000 Tiere (prowildlife). Ihr Bestand ist in 33 Jahren um ca. 61 Prozent zurückgegangen.

Dann wäre da noch das Geld. Viele Menschen kommen nach Afrika um exotische wilde Tiere zu sehen. Am besten auch anfassen. Mittlerweile werden Löwenbabys extra für diese „Auffangstationen“ gezüchtet, in denen Touristen dann mit ihnen spielen oder laufen können. Wenn sie zu groß oder gefährlich werden, werden sie zur Jagt freigegeben. Auf kleinem Gebiet und mit großer Erfolgschance für den Jäger. Der hat schließlich für die Trophäe gezahlt. Mehr als 8.000 Löwen warten in diesemMoment in Südafrika darauf erlegt zu werden (Tenikwa). Letztes Jahr wurden 748 getötete Löwentrophäen registriert (concervation-action).

Tückische Hyänen im Schafspelz – NGOs, die keine sind

Wie kannst du als Reisender die ethisch bedenklichen Center erkennen, wenn sich alle Löwen-Center „Sanctuary“ oder „Concervation Program“ nennen? Diese Frage habe ich mich seit meiner Ankunft in Südafrika gestellt, denn irgendwie kling das alles gleich. In keinem Land habe ich bisher so viele Projekte und Initiativen gefunden. Gleichzeitig war ich mir noch nie so unsicher, welche dieser Projekte mehr als eine schöne Homepage voll hohler Versprechen hat.

Elzette von Tenikwa und Kathrin von Weltblick 2.0 sitzen vor dem Conservation und Awareness Center
Elzette und ich vor dem Tenikwa Rehabilitation & Awareness Center

Dann habe ich Elzette getroffen. Sie arbeitet seit über 15 Jahren in der Industrie. Ihre anfängliche Naivität ist der Erfahrung der letzten Jahre gewichen aber ihre tiefe Liebe zu den Tieren und der Wildnis hat sie nie verloren.

Sie hat mir geholfen, in dem Jungle der Afrikanischen NGOs und Institutionen klar zu sehen. Sie hat mir Eckpunkte gegeben, an denen ich bedenkliche Projekte erkennen kann. Noch viel wichtiger: Sie hat mir den Glauben an meine eigene Entscheidung zum Wandel zurückgegeben.

Wir können uns gegen Einrichtungen entscheiden, die unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit ausbeuten, was wir retten und unterstützten wollen.

 

Guide – Wie du ein ethisches und nachhaltiges Tierprojekt erkennst

  1. Wichtigste Regel zuerst: Sei neugierig und skeptisch. Schau dir die Internet-Seite und die Rezensionen zu der Einrichtung an und suche gezielt nach fragwürdigen Berichten. Du findest nichts, was dich irritiert? Perfekt!
  2. Züchtet die Einrichtung Tiere? Wenn ja,sei dir bewusst, dass keines dieser Tiere in die Wildnis entlassen werden kann. Wurden sie in Gefangenschaft oder Obhut geboren, bleiben sie dort, werden weiterverkauft oder gejagt.
  3. Gibt es eine offizielle Life Time Care? Life Time Care bedeutete, dass die Tiere, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht mehr in die Wildniss entlassen werden können, tatsächlich ein Leben lang versorgt und in der Institution bleiben werden.
  4. Darfst du die Tiere anfassen oder sogar streicheln? No-go! Für deine Sicherheit und die des Weltblick AHA Überblick über Fair Trade und Hilfe zu anderen Zertifikaten und LabelTieres. Was für wilde Tiere gilt, sollte auch für Tiere in Obuut gelten.
  5. Ist die Einrichtung Fair-Trade zertifiziert oder hat sie ein anderes Zertifikat? Wenn du unsicher
  6. bist schau dir an, wie strikt das Zertifikat ist, hier ist oft viel Greenwashing am Start
  7. Ganz wichtig: Bevor du eine Tour buchst und Geld bezahlst. Stell vor Ort Fragen und schau dir an welchen Eindruck die Tiere auf dich machen. Sind die Menschen eher an einem Gespräch mit dir interessiert oder daran dir eine Tour zu verkaufen. Vor Ort können die Mitarbeiter kritischen Fragen auch nicht ausweichen.
  8. Hör auf dein Bauchgefühl, dass sagt dir ob du dem Ort und den Menschen vertrauen kannst.

 

 

Verständnis bringt Veränderung

Willkommen beim Tenikwa Conservation Awareness Center, Umweltschutz, Naturschutz, Tiere
Das Tenikwa Conservation & Awareness Center heißt alle Willkommen

Im Moment arbeitet Elzette bei Tenikwa. Einem Wildlife Rehabilitation und Awareness Center in Plettenberg Bay an der Garden Route. Len und Mandy Freeman haben dieses Projekt 2002 ins Leben gerufen, um verletzten Tieren zu helfen, aber auch um Bewusstsein für Umweltschutz und den Umgang mit wilden Tieren zu schaffen.

Ihre Arbeit basiert auf drei Pfeilern. Im Kern geht es darum, verletzte Tiere aufzunehmen, sie zu versorgen und wieder dahin zu bringen wo sie hingehören: in die Wildnis. Das kann nur sichergestellt werden, wenn die Tiere so wenig Kontakt mit Menschen haben wie möglich.

Bei unserem ersten Besuch war ich begeistert. Elzette konnte mir alle meine Fragen beantworten und mein Gefühl sagte mir: Du bist hier genau richtig. Als Vorbereitung auf das Interview recherchierte ich ein weiteres Mal. Intensiver und genauer. Ich fand Fotos, die für mich nicht mit Bild übereinstimmen, dass Elzette von Tenikwa gemalt hatte. Besucher, die Geparden streicheln, direkt neben einem Guide mit offizieller Tenikwa-Kleidung…

Was stimmt hier nicht?

Auf der Homepage fand ich eine kurze Erklärung. Es ließ mir trotzdem keine Ruhe. Bevor das Interview anfing, wollte ich wissen, wie Tenikwa zu diesen Bildern steht. Elzette wusste sofort, was gemeint war:

Seit 2017 ist der direkte Kontakt mit Geparden nicht mehr möglich. Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind, um die Tiere und letztendlich auch uns zu schützen. Ich kann nicht sagen ob wir perfekt sind, aber wir überarbeiten kontinuierlich unsere Richtlinien und Programme.

 

In diesen Worten finde ich mich selbst wieder. Wir sind Menschen, wir machen Fehler. Solange wir eine ehrliche und gute Absicht im Herzen tragen und Fehler ausbessern sobald wir sie erkennen, kommen wir einen großen Schritt näher an eine nachhaltige Welt.

Ein Caracal genießt die Sonne im Tenikwa Rehabilitation und Awareness Center
Der Caracal genießt die Sonne. Die Tiere werden vermehrt von Farmern für ihr Bushmeat gejagt.

Das Geld und die Ressourcen für diese Arbeit kommen von ihren Artgenossen, die in Gefangenschaft geboren wurden. Alle Tiere, die während der Touren bei Tenikwa zu sehen sind, sind Tiere, die nicht mehr in die Wildnis entlassen werden können. Sie helfen dabei, den zweiten Pfeiler der Einrichtung umzusetzen: Aufklärung und Bewusstsein schaffen.

If you plant the seed of empathy in a child’s heart, it will grow; until as an adult, alternative methods to extermination will be explored.  This may be too late to save some species, but education is the long-term solution. Mandy Freeman

Tenikwa Rehabilitation und Awareness center, Umweltschutz, conservation, Wilde Tiere erleben und unterstützen

Neben der Aufklärung von Touristen ist es den Menschen bei Tenikwa besonders wichtig, die Einheimischen zu erreichen. Sie laden Schulen ein, bieten spezielle „Eco Warrior“ Programme für Kinder an und schulen die Einwohner, wie sie mit Tieren umgehen sollen. Sie erreichen ein Verständnis für das Zusammenleben von Mensch und Tier, denn am Ende sind es die Menschen es die sich ändern müssen, nicht die Tiere.

Alle Arbeit ist umsonst, wenn es keinen Ort mehr gibt, wohin die Tiere zurück können. Deswegen gibt es die dritte Säule bei Tenikwa: den Schutz der Wildnis. Ein Lebensraum, den die Tiere so sehr zum Überleben benötigen.

Zurückgeben und Herzen berühren

Eine der größten Herausforderungen in Südafrika für den Umweltschutz ist die hohe Arbeitslosigkeit. Oft sehen die Menschen im Land keine andere Wahl, als Tiere zu töten, um das eigene Überleben zu sichern. Bildung und soziale Projekte sind wichtige Bestandteile für eine Welt, in der friedliches Zusammenleben möglich ist.

Deswegen akzeptiert Tenikwa keine Volontäre. Anstatt mit internationalen Hilfskräften zu arbeiten, schafft die Einrichtung 31 Arbeitsplätze für Menschen aus der Gemeinschaft. Mthobisi ist einer von ihnen. Seit fünf Jahren arbeitet er schon mit den Tieren und kann sich keinen schöneren Job vorstellen.

Gemeinschaft zurückgeben, unterstützen, Arbeit schaffen, Tenikwa stellt Einheimische, Mthobsi ist glücklich als ein Teil der Familie
Mthobisi ist glücklich ein Teil von Tenikwa zu sein

Ich liebe Wildkatzen und bin jedes Mal fasziniert, wenn ich sie sehe. Ich freue mich einen Job zu haben, bei dem ich etwas zurückgeben kann

 

Eine Welt, in der alle Lebewesen Platz haben

Ich bin dankbar für meine Verzweiflung, mit der ich anfänglich durch das wunderschöne Südafrika gereist bin. Dankbar, dass ich nicht aufgegeben habe und nicht glauben wollte, dass mich Unwissenheit davor schützt dubiose Einrichtungen zu unterstützen.

Kathrin von Weltblick 2.0 genießt den Sonnenuntergang im Krüger Nationalpark, Moment, Natur, Tiere
Die Schönheit in jedem Moment festhalten, dankbar sein und etwas zurück geben.

Für mich geht es nicht darum, mit dem aufregendsten Bild von einer Reise zurückzukehren. Ich möchte das Land und die Tiere intensiv erleben, natürlich. Aber jetzt ist meine Hoffnung wahr geworden: Ich kann ein intensives Erlebnis haben, ohne die Tiere zu gefährden oder dubiose Einrichtungen zu unterstützen.

Ich muss nur genau hinsehen. Neugierig und kritisch sein. Mit einer extra Portion Bauchgefühl. Und dann erschaffe ich mit meiner Unterstützung, genau die Welt, die ich morgen sehen will.

Eine Welt, in der alle Arten, alle Lebewesen Platz haben.

Den Platz, den sie so sehr brauchen.

Fußabdruck statt Cola-Dose, Elefanten im Krüger Nationalpark, Herde, Wilde Tiere

 

🎧   Lieber was auf die Ohren?

Passender Podcast → hier

 


Quellen
Loving planet report WWF
Statista Bestand Leoparden
Conservation Action
Prowildlife Elfenbeinhandel
Elefanten Infos – For the giants
Fairtrade Tourismus Zertifikat
Destinet Label Übersicht
Global Sustainable Tourism Council (GSTC)
Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet (Steffen et al 2015)

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