Gedankenwelt

Die Kündigung – Anfang und Ende geben sich die Hand

03/06/2018
Kathrin von Weltblick 2.0 lächelt für das was noch kommt.

„Heute gebe ich meine Kündigung ab“, erkläre ich und zittere am ganzen Körper. Mein Chef blickt mich mit großen Augen an. Einen Momentlang beherrscht unangenehme Stille den Raum.

Damit habe ich nicht gerechnet. Was haben Sie denn vor?

 

Mut ist: Wenn du Angst hast und es trotzdem machst

Das ist mittlerweile drei Monate her. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Schon beim Aufwachen, pochte mein Herz wie wild. Mir wurde heiß und kalt, ich konnte mich kaum auf mein Essen oder die Autofahrt konzentrieren.

Schon Wochen vorher hatte ich nachgesehen, wann mein Chef im Büro sein würde, damit ich ihn abfangen konnte. Dann war es so weit. 9 Uhr morgens, ich konnte nicht mehr warten. Der Weg zu seinem Büro fühlte sich endlos an. Ich lief an all den Büros meiner Kollegen vorbei, aber ich konnte keinem von ihnen in die Augen sehen. Durch die Glastür sah ich ihn dann am Schreibtisch sitzen.

Noch einmal tief durchatmen. Und jetzt rein da.

„Sie haben also keinen neuen Job und wollen erstmal schauen… und reisen?“ „Jop“, antworte ich knapp und zu meiner eigenen Überraschung. Ich kann nicht anders als breit zu grinsen. Selten habe ich eine Entscheidung so klar und einen Wunsch so deutlich aussprechen können. Die Aufregung wich innerhalb Sekunden purer Vorfreude. Jeder durfte es jetzt wissen. Ich hatte gekündigt, um meinen eigenen Weg zu gehen.

Mein aktueller Arbeitsplatz mit der Weltkugel fest im Blick. Die Kündigung war der erste Schritt.
Mein aktueller Arbeitsplatz – die Weltkugel fest im Blick

Gefühlsachterbahn der letzten Woche

Dann kamen sie, die letzten Arbeitstage. Obwohl ich gekündigt hatte, habe ich die letzten Wochen ganz normal weitergearbeitet. Keine Krankmeldung, kein Urlaub. Es ist Montag. Wie in Trance fahre ich zusammen mit Wojtek zur Arbeit. Diese kleine Fahrgemeinschaft und die Gespräche jeden Morgen werde ich vermissen. Er steigt aus. Wie jeden Morgen.

Die letzten Meter fahre ich über eine Brücke. Das Industriewerk in dem ich die letzten Jahre gearbeitet habe, liegt unter mir. Es ist ein klarer, kalter Morgen und die aufgehende Sonne scheint mir hell und freundlich entgegen.

Das einzige was zwischen mir und der Sonne steht ist Dampf. Dampf, der aus großen Chemiereaktoren und Öfen in den Himmel steigt.

Dieser Moment zeigt mir nicht nur die Schönheit meiner Heimat, des Ruhrpotts, es ist mein ganz persönliches Auf-Wiedersehen. Hier habe ich meinen Weg gefunden. Mein Weg, der mich aus dem Chemiekonzern raus in die Welt führt. Zu neuen Themen. Themen, die mein Herz berühren.

Ich sauge ihn auf, diesen Moment.

Tag 0

Bepackt mit so viel Essen, dass niemand aus der Abteilung in den nächsten Tagen hungern müsste, parke ich vor dem Bürogebäude. Eigentlich hätte ich direkt auf meinen Schreibtisch schauen können. Das Rollo verdeckt mir die Sicht. Dabei ist das Rollo niemals unten. Schonmal komisch.

Eine Freundin kommt aus dem Gebäude heraus und hilft mir tragen. Sie hatte mich schon von oben gesehen. Durch die Glastür sehe ich meine anderen Arbeitskollegen. Bewaffnet mit Seifenblasen und Konfetti werde ich zur „You und your heart“ von Jack Johnson und großen Jubel empfangen.

Im ersten Moment weiß ich gar nicht was passiert. Wohin mit mir? Mist, das Essen habe ich ja auch noch in der Hand. Erstmal abstellen. Alles passiert so schnell, ich habe mich noch gar nicht umgesehen. Mein ganzes Büro ist von außen mit Luftschlangen und Bildern von mir und meinen lieben Kollegen dekoriert. Der Wein zu viel auf der Weihnachtsfeier, der Kochabend und Fotos von der letzten Messe, so viele Erinnerungen… Schon wieder kommen mir Tränen.

Mein alter Arbeitsplatz - die Weltkarte immer im Blick. Fred ist auch dabei am letzten Arbeitstag.
Mein Arbeitsplatz – die Weltkarte immer im Blick

Ein letztes Mal mache ich den PC aus. Ein letztes Mal schaue ich auf das Plakat, auf das jeden Tag mein Blick gerichtet war: die Weltkarte. Ein letztes Mal stelle ich meinen Stift in meine selbstgebastelte Stiftdose.

In einem haben mich diese letzten Tage noch mehr bestärkt: zu geben ohne etwas zurück zu erwarten. Helfen, um zu helfen und ohne einen Hintergedanken. Ich bin dankbar für liebe Worte und ehrliche Gespräche. Für so viel Liebe, die mir nach nur drei Jahren Arbeit mit diesen Menschen zurückgegeben wird.

Jetzt heißt es meine positive Sicht auf die Dinge in die Welt zu tragen 🌎

Für etwas losgehen, aufbrechen.

Für sich.

Für andere.

Für das große Ganze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu